Photography

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Die Photographie, das „Zeichnen mit Licht“, begleitet mich beruflich wie privat. Sie gibt mir den Raum, in dem ich meine Kreativität entfalten kann. Gleichzeitig verstehe ich sie als Bindeglied zwischen dem Historiker und Journalist, wenn beide Lamprechts Devise folgend unterwegs sind.

Das Photographieren erlaubt mir, die Welt um mich herum anders wahrzunehmen. Die Phototechnik ermöglicht mir, Momente einzufangen und zu verewigen. Letzteres öffnet einen Türspalt, durch den ich zurück in die Vergangenheit schauen kann. Die Photographie bildet mein drittes Tätigkeitsfeld neben der Geschichtswissenschaft und dem Journalismus.

Mein Vater brachte mir die Grundkenntnisse bei. Zu meiner Erstkommunion schenkte er mir eine kleine Kompaktkamera. Später gab er seine japanischen Spiegelreflexkameras an mich weiter, als er auf Leica umstieg. Den Sprung von der analogen zur digitalen Photographie mochte er jedoch nicht mehr vollziehen. Hier trennten sich – aber nur vom technischen Standpunkt betrachtet – unsere Wege, um sich nach seinem Tod doch wieder zu kreuzen.

Ich übernahm Vaters Leica-Sammlung. Aus ökologischen, ökonomischen und praktischen Gründen kam für mich jedoch die Rückkehr zur analogen Photographie nicht in Frage. Von den hochwertigen Objektiven mochte ich mich dennoch nicht trennen. Die Technik eröffnete mir einen Mittelweg: Die Leica-Objektive konnte ich mittels der Adapter von Novoflex mit meiner Panasonic Lumix GX7 kombinieren.

Digital trifft analog

Der Novoflex-Adapter verbindet das analoge Leica-Objektiv mit der digitalen Lumix GX7. Dem „Photographen von Mauthausen“, Francesc Boix, hätte das vielleicht auch gefallen. (© Ingo Niebel)

Neu trifft Alt und gibt letzterem eine Zukunft. Das Alte wiederum entschleunigt das Photographieren, weil ich Blende und Schärfe per Hand einstellen muss. Der Autofokus funktioniert ebenso wenig wie die Blendenautomatik. Das zwingt mich, den Aufnahmeprozess bewusster und konzentrierter durchzuführen. Das Gewicht der Leica-Objektive erinnert mich daran, dass Photographieren immer noch eine körperliche Komponente besitzt. Besonders deutlich wird mir das, wenn ich das Summilux-M 35 benutze: Da es keinen Zoom besitzt, muss ich mich auf das Objektiv zubewegen oder davon entfernen.

Diese Arbeitsweise erscheint ziemlich unökonomisch. Im Journalismus hat die Digitaltechnik dazu geführt, dass Schreibende Photos und auch bewegte Bilder mit Ton zu liefern haben. Das Outsourcing zwang ebenfalls Photographierende, Filmende und Tonlieferende, Texte zu produzieren. Schreibende mussten sich analog dazu in die Techniken des Photographierens, Filmens und Aufnehmen einarbeiten. Dem Druck habe auch ich mich gebeugt. Trotzdem erachte ich das Photographieren immer noch als eine ganz andere Tätigkeit als das Schreiben, eben weil ich durch den Sucher der Kamera meine Umwelt ganz anders wahrnehme.

Das Photo als historische Quelle

Im Rahmen meiner geschichtswissenschaftlichen Tätigkeit bemühe ich mich gerade, den Ruf des Photos als Quelle wiederherzustellen. Natürlich gibt es nichts frustrierenderes als eine interessante Aufnahme in den Händen zu halten, deren Kontext jedoch gänzlich unbekannt ist: keine Angaben zur Herkunft, über das Entstehungsdatum, den Kontext und den Photographen. Noch übler empfinde ich, wenn im Internet auf Verkaufsplattformen Photos, die aus einem Album stammen, einzeln verkauft werden, weil sich so ein höherer Gewinn erzielen läßt als der Verkauf des Gesamtwerks. Trotz derartiger Willkür bewahrt auch ein unbeschriftetes Einzelphoto ein Mindestmass an Information. Mit entsprechenden Kenntnissen und einer gehöriger Portion Geduld läßt sie sich für die geschichtswissenschaftliche Arbeit extrahieren.

In meinem Buch „A la caza del primer lehendakari“ (Auf der Jagd nach dem ersten baskischen Präsidenten) habe ich in zwei Fällen auf Photos als Quelle zurückgegriffen, weil Dokumente wie Berichte oder Besuchsprogramme fehlten. Zuvor hatte ich in einem Fachaufsatz „Semiotik der Uniform“ dargelegt, wie viele Informationen sich in unbeschrifteten deutschen Militärporträts verbergen. Ich beweise, dass sich mit den extrahierten Informationen die Soldaten nachträglich identifizieren liessen, wenn die Personendaten bei der Deutschen Dienststelle vollständig und digitalisiert vorlägen sowie allgemein zugänglich wären.

Der Reflecta RPS 7200 kann auch Grossvaters Rollenfilme scannen. (© Ingo Niebel)

Darüber hinaus digitalisiere ich mein eigenes Photoarchiv, das meines Vaters und die meiner Großväter. Hierbei geht es nicht nur um das Übertragen des analogen Dias, Negativs oder Abzugs in ein digitales Format, sondern auch ums Archivieren. Erst letzteres ermöglicht mir, mit Photos effizient zu arbeiten.